ETF-Sparplan im Depot vs. Rentenversicherung – was ist besser für die Altersvorsorge?
- Andre Blechschmidt

- 14. Okt.
- 5 Min. Lesezeit
Schon lange beschäftige ich mich mit dem Thema Altersvorsorge. Und seit einigen Jahren ebenfalls mit dem speziellen Thema Depot vs. Rentenversicherung. Daher möchte ich mein Wissen in diesem Blog-Beitrag niederschreiben und hoffe, dass ich ein paar Denkanstöße geben kann.

Gliederung
Einführung: Grundsätzliches
Das Langlebigkeitsrisiko – reicht dein Vermögen wirklich bis zum Lebensende?
Steuerliche Unterschiede im Detail
Flexibilität und Fondsauswahl
Psychologie – warum Disziplin wichtiger ist als Rendite
Kosten
Exkurs: Wie verdienen Neo-Broker eigentlich ihr Geld?
Fazit – Warum man beides benötigt
Einführung: Grundsätzliches
Viele Anlegerinnen und Anleger stehen vor der Frage: ETF-Sparplan oder ETF-Rentenversicherung (um genau zu sein handelt es sich um eine fondsgebundene Rentenversicherung)?
Beide Varianten verfolgen das gleiche Ziel – Vermögen aufzubauen –, unterscheiden sich aber in Struktur, Kosten, Steuern und Flexibilität. Während der klassische ETF-Sparplan über ein Depot läuft, steckt hinter der ETF-Rentenversicherung ein Versicherungsmantel, der steuerliche Vorteile und lebenslange Rentenzahlungen ermöglicht.
Kurz gesagt:
ETF-Sparplan = maximale Flexibilität, minimale Kosten.
ETF-Rentenversicherung = Steuer- und Planungsvorteile, aber teils höhere Gebühren.
Das Langlebigkeitsrisiko – reicht dein Vermögen wirklich bis zum Lebensende?
Einer der größten Vorteile der Rentenversicherung ist die lebenslange Auszahlung. Wer 30–40 Jahre spart, möchte sicherstellen, dass das Geld nicht mit 85 Jahren aufgebraucht ist, obwohl man 95 wird.
Eine Rentenversicherung gleicht dieses Risiko aus, indem sie die Ersparnisse auf die statistische Lebenserwartung verteilt und – falls nötig – ein Leben lang weiterzahlt. Ein Vermögen aus einem Depot ist dagegen irgendwann aufgebraucht.
Viele unterschätzen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von 81–82 Jahren nur ein Mittelwert ist. Statistisch lebt etwa jede vierte Frau und jeder fünfte Mann deutlich länger – oft über 90 Jahre. Eine Rentenversicherung schützt also vor dem Risiko, die eigene Ersparnis zu überleben.
Was die statistische Lebenserwartung ebenfalls verschweigt: Es gibt eine sogenannte „negative Risikoselektion“. Menschen, die eine Rentenversicherung abschließen, sind in der Regel gesünder als der Durchschnitt der Bevölkerung. Personen mit schweren Erkrankungen, Alkohol- oder Drogenproblemen schließen dagegen selten eine solche Versicherung ab. Daher liegt die Lebenserwartung von Rentenversicherten häufig deutlich über dem allgemeinen Durchschnitt von etwa 81 bis 82 Jahren.
Steuerliche Unterschiede im Detail
Während ETF-Sparpläne im Depot der Kapitalertragssteuer (26,375 %) unterliegen, profitieren Rentenversicherungen von steuerlichen Vergünstigungen – insbesondere durch das sogenannte Halbeinkünfteverfahren und das Ertragswertverfahren.
Variante | Besteuerung | Besonderheit |
ETF im Depot | 26,375 % Kapitalertragssteuer auf Gewinne | Teilfreistellung bis zu 30 % |
ETF-Rentenversicherung | Halbeinkünfteverfahren oder Ertragswertverfahren | Nur 50 % oder sogar weniger steuerpflichtig |
Das Ertragswertverfahren wird angewandt, wenn man das Kapital als lebenslange Rente auszahlen lässt. Nur ein bestimmter Anteil der Erträge unterliegt dann der Besteuerung. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt vom Beginn der Rentenauszahlung ab. Grundsätzlich gilt: Je später der Rentenbeginn, desto geringer der steuerpflichtige Anteil. Beginnt die Rente beispielsweise mit 67 Jahren, sind nur 17 % der Erträge zu versteuern. Das heißt: Lediglich dieser Teil wird mit dem dann gültigen persönlichen Steuersatz besteuert. Berücksichtigt man zudem Freibeträge und geht davon aus, dass der Steuersatz im Ruhestand niedriger ist als heute, fällt die tatsächliche Steuerbelastung auf die ausgezahlte Rente oft nahezu auf null. Nach aktueller Gesetzeslage liegt sie im ungünstigsten Fall bei rund 8 %.
Das Halbeinkünfteverfahren wird angewandt, wenn man das Kapital auf einmal auszahlen lässt. Voraussetzung hierfür ist, dass der Vertrag mindestens 12 Jahre bespart wird und frühestens mit 62 zur Auszahlung kommt (sog. 62/12-Regel). Hier ist lediglich die Hälfte der Erträge steuerpflichtig.
Ein entscheidender Unterschied ist ebenfalls der „Steuerstundungseffekt“. Innerhalb einer ETF-Rentenversicherung fallen während der Laufzeit keine Steuern an – auch nicht bei Fondswechseln, z.B. durch Strategiewechsel oder ETF-Auflösung. Das Kapital arbeitet somit ununterbrochen. Das bedeutet: Während ein ETF-Sparplan bei jedem Fondswechsel Steuern auf Kursgewinne auslöst, kann innerhalb einer Rentenversicherung steuerfrei umgeschichtet werden.
Beachten sollte man außerdem: Steuergesetze ändern sich ständig – und was heute gilt, kann in 20 Jahren schon anders aussehen. Depot-Anleger tragen hier das Risiko steigender Steuersätze. Rentenversicherungen genießen dagegen Bestandsschutz: Änderungen gelten in der Regel nur für Neuverträge.
Gerade in Wahljahren taucht regelmäßig die Idee auf, die Kapitalertragssteuer abzuschaffen und Kursgewinne mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu besteuern. Wer heute 42 % Spitzensteuersatz zahlt, hätte dann kaum noch Netto-Rendite. Eine bestehende Rentenversicherung wäre davon jedoch voraussichtlich ausgenommen.
Flexibilität und Fondsauswahl
Früher galten Rentenversicherungen als unflexibel – das hat sich grundlegend geändert. Moderne ETF-Rentenversicherungen bieten heute:
freie Fondsauswahl (oft über 100 ETFs und Fonds),
Entnahmen oder Zuzahlungen,
Kostenfreies Umschichten,
Aktives Ablaufmanagement,
Digitales Vertragsmanagement,
Stundungsmöglichkeiten,
Garantien auf eingezahltes Kapital,
Wählbare Rentengarantiezeiten,
Dynamiken zum pauschalen Ausgleich der Inflation.
Aktuelle Tarife sind im Handling schlicht ein Depot im Versicherungsmantel. Sie sind zwar nicht so flexibel wie ein Depot, aber deutlich flexibler als noch in der Vergangenheit.
Psychologie – warum Disziplin wichtiger ist als Rendite
Viele unterschätzen, wie schwer es ist, über 30–40 Jahre hinweg das Ansparen auf einem Depot durchzuhalten. Spontane Ausgaben, emotionale Entscheidungen oder Börsentiefs verleiten zum Abbruch. Eine Rentenversicherung schützt hier indirekt: sie macht spontane Entnahmen schwieriger – was psychologisch hilft, das Ziel zu erreichen.
Studien zeigen, dass Anleger in Krisenzeiten bis zu 40 % ihres Depots verkaufen – meist aus Angst. Die Renditeverluste durch solche Panikverkäufe übersteigen oft die Kosten einer Versicherung.
Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass es sich mit einer planbaren und konstanten Rente deutlich entspannter lebt. Will man sich mit 80 Jahren noch die Fragen stellen: Reicht das Geld bis zum Ende? Muss ich Entnahmen anpassen? Wie wird mein Geld aktuell verzinst? Wie steht es an der Börse? Gibt es einen Crash?
Kosten
Der größte Vorteil eines Depots sind die Kosten. Die Käufe und Verkäufe der einzelnen ETF´s sind sehr günstig, oftmals kostet ein Sparplan (zumindest aktuell) gar keine Gebühren. Somit fallen nur die Kosten für den ETF an (ca. 0,2 bis 0,5%). Dadurch erscheint den meisten Anlegern das Depot auf den ersten Blick als die bessere Variante. Aber das ist (wie Sie bis hierher erfahren haben) nur ein Punkt in der Fragestellung, welches Produkt besser für die Altersvorsorge geeignet ist.
Es ist wichtig zu wissen, dass die Kosten für ein Depot unmöglich über 30 bis 40 Jahre im Voraus zu kalkulieren sind:
Gebühren können sich ändern
Fondswechsel/ETF-Auflösungen führen zu Steuern
Steuersätze können sich ändern
Was passiert, wenn ein Depot-Anbieter den Markt verlässt?
Wieviel kauft/verkauft man in der Zeit?
und weitere...
Bei einer ETF-Rente können diese Kosten von Anfang an klar benannt werden. Die Effektivkosten liegen je nach Anbieter im Schnitt zwischen 1-2% (inkl. ETF-Kosten).
Exkurs: Wie verdienen Neo-Broker eigentlich ihr Geld?
Bei der Rentenversicherung sind die Kosten klar aufgeschlüsselt und ausgewiesen und somit sehr transparent. Neo-Broker wie Trade Republic, Scalable Capital oder Finanzen.net Zero ermöglichen kostenlosen ETF-Handel – doch „kostenlos“ ist hier relativ. Ihr Geschäftsmodell beruht auf mehreren Einnahmequellen:
Gebühren bei Kauf und Verkauf
Payment for Order Flow (PFOF): Sie leiten Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze weiter und erhalten dafür Provisionen, welche sich meist aus den Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis eines ETF´s) ergeben.
Zinsgewinne: Die Kundeneinlagen auf Verrechnungskonten werden verzinst – der Broker behält einen Teil der Zinsen.
Zusatzangebote: Premium-Abos, Sparplan-Gebühren für Spezial-ETFs oder Kreditkartenprodukte.
Rückvergütungen von Fondsanbietern: Manche ETFs zahlen kleine Bestandsprovisionen an den Broker.
Mitte 2026 wird Payment for Order Flow in der EU voraussichtlich verboten. Broker suchen daher neue Einnahmequellen, etwa durch Zinsmodelle oder Zusatzleistungen wie „Zinskonten“ oder „Cashback auf Depotvolumen“.
Fazit – Warum man beides benötigt
ETF-Sparplan und ETF-Rentenversicherung sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich perfekt. Allerdings ist die Frage "Was ist besser für die Altersvorsorge?" meiner Meinung nach ganz klar mit der ETF-Rentenversicherung zu beantworten.
Der ETF-Sparplan bietet Flexibilität und kurzfristige Liquidität – ideal für Vermögensaufbau.
Die ETF-Rentenversicherung sorgt für Stabilität, steuerliche Vorteile und planbare Rentenzahlungen – ideal für die langfristige Altersvorsorge.
Ich rate dazu beide Alternativen zu besparen, damit sichert man sich die Vorteile beider Welten und ist für die Zukunft bestens aufgestellt. Die ETF-Rente verstehe ich dabei als Basisabsicherung für das Alter, während man das Depot zum Vermögensaufbau verwendet, mit welchem man die Basisabsicherung sinnvoll im Alter ergänzt.




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